LocaliTEA: … was bitte ist ein Shincha & wieso ist der so teuer?

Auch einer Tee-Bloggerin ist es manchmal zu heiß für Tee…wobei, so ganz stimmt das nicht…

Ich war gesundheitlich nicht ganz fit und mit Gedanken in meinen letzten Arbeitstagen vor dem Urlaub – keine gute Voraussetzung, um sich auf einen neuen Tee zu konzentrieren. Dann kam noch mein Geburtstag dazwischen – da war dann wohl eher Zeit für den „Hopfentee“ und weniger für einen frischen zarten japanischen Grüntee. Am Wochenende gab´s dann noch diese unbändige Hitze – nicht-bewegen war angesagt, sogar der Wasserkocher stand zumindest untertags viel zu weit weg.
Neue Woche, neuer Start: um 6.30 Uhr läutete der Wecker, dann ging´s laufenderweise eine Runde in´s Grüne (siehe Titelfoto), an der Bäckerei vorbei zurück in meine Küche und nun sitze ich hier – mit zwei japanischen Grüntees vor mir.

Ihr kennt ja bereits die Flugtees aus Darjeeling und wisst, dass es sich um die ersten Pflückungen des Jahres handelt. In Japan ist er etwas später dran und heißt Shincha: shin cha = neuer Tee. Eigentlich logisch. Auf der fernöstlichen Insel hält man es mit den Teenamen oft sehr klar: Matcha = gemahlener Tee, Bancha = gewöhnlicher Tee, Kukicha = Stängeltee und so weiter. Aber zurück zum Shincha.

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Heute am Plan: Japan Shincha Kirisakura & Japan Shincha Shimoyama
Der „neue Tee“ zeichnet sich durch einen hohen Nährstoffgehalt aus. In unserem heutigen Falle riechen beide sehr gemüsig/spinatig & schmecken äußerst frisch & fruchtig.
Gestern hatte ich abends schon mal kurz vorgekostet und dachte, die zwei schmecken doch sehr ähnlich – morgen verkostest Du dann „g´scheit“. Auch am Foto sieht man, dass die zwei Tees doch sehr nah beieinander liegen. Heute morgen dieselbe Wahrnehmung.
Vielleicht liegt es auch an mir: ich liebe japanische Grüntees, trinke sie gern und viel, aber Spezialistin…da gibt es andere in dieser Stadt, die ihr Leben dem Japantee gewidmet haben. Vielleicht liegen sie aber auch tatsächlich sehr nah beieinander. Geschmäcker & Wahrnehmungen sind so unterschiedlich bei jeder/m Einzelnen von uns…

Daher möchte ich bei Preisen von rund €30,- auf 100g gerne auf einen sehr wichtigen Aspekt beim Grüntee-Trinken eingehen: die mehrfachen Aufgüsse. Ihr werdet gleich wissen, warum ich diesen Aspekt erwähne…

Im Gegensatz zu schwarzem Tee, der mit 100 °C einfach aufgegossen wird, wird japanischer Grüntee mit ca. 60 °C mehrmals aufgegossen. Das bedeutet, dass ich denselben Tee aus der Tasse rausnehmen und nochmals verwenden kann. Das „rechtfertigt“ die höheren Preise auch abseits von der Erfahrung und der Handarbeit, die zur qualitativ guten Teeproduktion nötig ist.
Grüntees vertragen meist jedenfalls vier Aufgüsse. Darin unterscheidet sich auch oft der Preis/die Qualität: die Tees, die beim dritten Aufguss noch immer intensiv und reichhaltig im Geschmack sind vs. jenen, die bereits mehr nach Wasser als nach Tee schmecken.
Für wen die Preise unverständlich hoch sind, dem empfehle ich eins: springt über Euren Schatten und geht in ein Fachteegeschäft. Bei klassischen Tees (also alle Tees von der Teepflanze) bekommt man jedenfalls immer auch 50 Gramm. In vielen Geschäften kann man sich auch die nötige Menge für 1 Liter Tee abfüllen lassen und zahlt dementsprechend weniger. Dadurch kann man sich einfach mal durchkosten, Neues entdecken und seinem Geschmackssinn eine größere Vielfalt bieten.

Mein Fazit in unserem Fall beim zweiten Aufguss:
Der Kirisakura entwickelt sich für mich eher in die fruchtigere Richtung, der Shimoyama in die spinatigere Richtung. Welchen man hier bevorzugt, ist reine Geschmackssache.
Bei mir wirken die „spinatigeren“ (Stichwort „umami“ – wurde hier erklärt) ein wenig pushender, daher wird der Shimoyama in´s Guten-Morgen-Regal wandern, der Kirisakura hingegen eher in´s Abend-Regal.

Zum Abschluss kurz zurück den Shinchas: wie auch beim indischen „Nachbarn“ lagert die erste Pflückung nicht lange – dadurch ergibt sich nochmals ein Kick Frische mehr. Wer den Unterschied riechen möchte:
ab ins Teegeschäft und darum bitten, einen länger gelagerten Japantee und einen Shincha parallel riechen zu können. Ihr werdet den Unterschied merken.

Probiert Neues, traut Euch & lasst ihn Euch schmecken!

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